Interview ImpfDOSE – „Die verrückte Schorle in einer verrückten Zeit“

Corona, Astra und jetzt die Impfdose. Die Pandemie wird nicht allein dem Bier überlassen. Im Dezember 2020 sicherten sich Tobias Dieter und Sebastian Kreuser spontan den Namen Impfdose. Drei Monate später wurden die ersten Dosen geliefert. Nach nicht einmal zwei Wochen war die erste Charge von ihrem Unternehmen Knaddel Daddel vergriffen.

Warum habt ihr euch für die Getränkedose als Gebinde entschieden?

Tobias Dieter: Die Wortmarke stand bei uns im Vordergrund und ist ein Blickfang. Das Wortspiel ist lustig und wird positiv aufgenommen…   

Sebastian Kreuser: …außerdem ist die Dose praktisch und verursacht keinen Müll. Ich nehme sie mit, trinke sie draußen mit Freunden, das perfekte Gebinde für unterwegs – aktuell umso mehr, da viele Aktivitäten durch die Pandemie lediglich im Freien stattfinden werden. Da geht auch nichts kaputt, sie ist leicht und wenn sie leer ist, wandert sie aufgrund des hohen Materialwerts ins Recycling.

Alu-Dosen werden oft kritisiert. Habt ihr euch darüber Gedanken gemacht?

Sebastian Kreuser: Je nachdem wie Aluminium verwendet wird, wird es gut oder schlecht wahrgenommen. Im Elektroauto ist es gut, an dem Osterei oder dem Schokoladen-Weihnachtsmann stört sich auch keiner, aber gegen die Dose ist man negativ eingestellt. Das ist nicht nachvollziehbar.

Tobias Dieter: Um beim Elektoauto zu bleiben: In einem Tesla Modell S sind ca. 190 Kilogramm Aluminium verbaut – das würde ungefähr der Menge von 15.000 Impfdosen entsprechen. Da habe ich mich gefragt, wenn ich auf einer einsamen Insel wäre, womit käme ich weiter – 15.000 Getränkedosen mit leckerer Weinschorle oder mit einem Tesla?

Sebastian Kreuser: Die Recyclingquote der Getränkedose ist höher als bei jeder anderen Verpackung, daher haben wir kein schlechtes Gewissen, in Dosen abzufüllen.

Wie seid ihr auf Wein für eure Impfdosen gekommen?

Tobias Dieter: Wir sind aus Rheinhessen, der Wein ist aus Rheinhessen, die Abfüllung ist in Rheinhessen. Es ist schön, Partner vor Ort zu haben. Und nebenbei trinken wir auch sehr gerne Wein.

Sebastian Kreuser: Wir kommen aus einer Gegend, wo jeder sich die Schorle selbst mixt. Aber die Weinschorle wird überall getrunken. Bei uns ist meistens deutlich mehr Wein als Wasser drin. Aber wir haben uns dem Mainstream angepasst und mischen jetzt etwas über 50 Prozent Wein und verwenden eine Rebsorte, die geschlechterunabhängig funktioniert. Wir nutzen dafür Rivaner.

Was spricht dafür, Wein in der Getränkedose abzufüllen?

Sebastian Kreuser: Es spricht viel dafür, Wein in Dosen zu füllen. Wein hat immer das Thema Licht. Licht und Naturprodukt verstehen sich im Normalfall nicht gut. Deshalb wird Wein üblicherweise kühl und dunkel im Keller gelagert.

Tobias Dieter: Die Dose hat den Vorteil: Das was drin ist, wird so auch drinbleiben. Sie ist Licht und Luft undurchlässig, dadurch verändert sich der Geschmack nicht. Durch die Beschichtung der Dosen kann das Getränk nicht mit der Dose reagieren.

Sebastian Kreuser: Die Menschen finden den Namen cool und eine ImpfDOSE muss selbstverständlich auch in einer Dose abgefüllt sein. Aber das Produkt muss auch schmecken.

Tobias Dieter: Und alle die sich zurückmelden, sagen es schmeckt. Keine negativen Rückmeldungen bisher.

Impfdose mit hohem Zuspruch
Impfdose mit hohem Zuspruch

„Mehr ökologische Zielvorgaben, weniger Ideologie.“

Claudia Bierth, Sustainability Managerin

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind in vielen Industrien von wachsender Bedeutung und rücken in Zuge des Green Deals immer weiter in den Fokus von Gesellschaft und Politik. Das gilt auch für Getränkeverpackungen. Wir haben mit Claudia Bierth, European Sustainability und Public Affairs Managerin beim Getränkedosenhersteller Ball, über die europäische Recycling- und Verpackungspolitik gesprochen.

Frau Bierth, welche Entwicklungen und Zielsetzungen gibt es im Rahmen des Green Deal im Bereich der Getränkeverpackungen?

Claudia Bierth: Die Kommission überarbeitet derzeit die europäische Richtlinie für Verpackungen und Verpackungsabfälle. Hierbei stehen nun die Recyclingfähigkeit und das hochwertige Recycling von Verpackungen im Vordergrund. Vorher schaute man nur auf die Gewichtsreduzierung und den CO2-Fußabdruck. Das ist ein echter Paradigmenwechsel in der europäischen Verpackungspolitik. Es geht darum, Verpackungsmaterialien, z.B. Getränkeverpackungen, so lange wie möglich im Kreislauf zu halten. Die starre Fokussierung auf den Ressourcenverbrauch hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass es sehr viele extra leichte und effiziente Verpackungen auf den Markt waren. Diese waren gar nicht oder nur schlecht zu recyceln.

Müllvermeidung ist kein Thema mehr?

Claudia Bierth: Doch natürlich. Es gibt konkrete Vorschläge zur Reduzierung und Vermeidung von Verpackungsabfällen neben der Förderung von Mehrwegsystemen z.B. zur Reduzierung von Verpackungsteilen, die den Schutz des Packgutes bei der Lagerung und beim Transport nicht verbessern und daher unnötig sind. Außerdem soll die Anzahl der in einer Verpackung verwendeten Materialien oder Polymere verringert werden.

Inwieweit ist der europäische Aktionsplan Kreislaufwirtschaft in Deutschland angekommen?

Claudia Bierth: In Deutschland wird der neue europäische Aktionsplan Kreislaufwirtschaft grundsätzlich positiv gesehen, die Kreislaufwirtschaft als Motor für eine nachhaltige europäische Wachstumsstrategie zu positionieren. Produktspezifische Quoten für Rezyklate, wie es sie z.B. für PET Flaschen schon gibt, werden als wichtiger Treiber für die Nachfrage nach recycelten Materialien gesehen. Die Zögerlichkeit hinsichtlich eines Deponierungsverbots von recycelbaren und verwertbaren Abfällen, eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, wird jedoch von vielen kritisch gesehen.

Was bedeutet der Aktionsplan für die Getränkeverpackungen und die Dose?

Claudia Bierth: Das permanente Material der Getränkedose bietet inhärente Vorteile. Im Gegensatz zu den meisten anderen Verpackungsmaterialien lässt sich Metall – ob Aluminium oder Stahl – immer wieder und nahezu unbegrenzt und ohne Qualitätsverlust recyceln. So bleibt das Material lange im Kreislauf erhalten und kann für den gleichen Verpackungstyp oder ein anderes hochwertiges Produkt wieder eingesetzt werden.

Seit Jahren arbeiten wir daran, den CO2-Fußabdruck in unserer Industrie zu reduzieren, z.B. durch Gewichtsoptimierung (ca. 40% Reduzierung Standarddose gegenüber den 80er Jahren) und Recycling. Recycling ist dabei der wichtigste Hebel und kann speziell bei Aluminium eine 95%ige Energieeinsparung gegenüber Primäraluminium bringen.

Was kann Deutschland mit Blick auf Brüssel lernen? Was muss sich ändern?

Claudia Bierth: In Brüssel werden Metallverpackungen wie die Getränkedose nicht als Problem gesehen, da sie enorm recyclingfähig sind und in vielen EU-Ländern bereits eine sehr gute Sammelinfrastruktur besteht. In Deutschland ist die Haltung trotz der weltweit höchsten Recyclingquote von 99,1% kritischer. Deutschland sieht sich, gerade im Bereich Umweltpolitik gerne als Vorreiter in der EU, wenn nicht sogar weltweit. Und in vielen Bereichen ist diese Perspektive sicherlich berechtigt. Manchmal verführt dieser Blick jedoch auch zu einer eher isolationistischen Haltung, die den Blick für heutige Lebens- und Konsumrealitäten verbaut. Das führt zu Alleingängen, die am Ende nicht gut für die Umwelt sind.

Inwiefern?

Claudia Bierth: Beispiel Mehrweg: Eigentlich ein Mittel zum Zweck, aber in Deutschland hat man manchmal den Eindruck, es handelt sich eher um ein Glaubensbekenntnis. Mehrweg ist nicht per se umweltfreundlicher, das zeigt insbesondere die schlechte Transportbilanz der Individualflasche. Insofern ist Mehrweg ökologisch und betriebswirtschaftlich nur sinnvoll bei kurzen Wegen und einheitlichen Flaschen. Für die übrige Vielfalt ist die Geträn­kedose in vielen Situationen eine gute Wahl.

Auch die EU hat Mehrwegförderung auf der Agenda. Aber sie ist sich bewusst, dass Mehrweg nicht immer besser ist. Daher wird sie Vorschläge zur Mehrwegförderung auf Basis umfangreicher Umweltverträglichkeitsprüfungen ausarbeiten. Umwelt- und wirtschaftlichen Auswirkungen der Instrumente werden auf wissenschaftlicher Basis bewertet – und nicht auf Basis politischer Opportunität.

Und das wünschen Sie sich auch für Deutschland?

Ja, statt ideologischer Maximalforderungen brauchen wir in Deutschland ökologische Zielvorgaben. Das gilt für alle Getränkeverpackungen, egal ob Mehrweg- oder Einwegflaschen aus Glas oder PET, ob Getränkedosen oder Getränkekartons. Von Einweg oder Mehrweg zu optimiertem Einweg und Mehrweg – das muss unter Umweltaspekten unser Ziel sein.

Getränkedose: Deutsche sind im EU-Vergleich die „Umwelt-Dummies“

Das Wissen der Deutschen über die Umweltverträglichkeit von Getränkedosen ist einer repräsentativen Umfrage zufolge deutlich weiter von der Realität entfernt als in allen anderen untersuchten europäischen Staaten. Die Deutschen wissen über die Umweltverträglichkeit von Getränkeverpackungen deutlich weniger als ihre europäischen Nachbarn in Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden, Italien und Großbritannien. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag von Metal Packaging Europe.

Recyclingwissen über Getränkedosen

Der Recyclingmeister Getränkedose ist noch nicht in den Köpfen angekommen

Danach glauben nur 41 Prozent der deutschen Verbraucher, dass Getränkedosen aus Metall „einfach zu recyceln und sortieren sind“. 32 Prozent halten die Getränkedose für überhaupt nicht recycelbar. Dabei ist die Getränkedose, die Getränkeverpackung mit der besten Recyclingquote. In Deutschland ist diese mit 99,1 Prozent so hoch wie in keinem anderen Land der Welt. Von einer Millionen Getränkedosen in Deutschland werden 991.000 recycelt und so zu neuen Produkten. Zum Vergleich: Belgier, Spanier, Italiener, Franzosen und Briten halten die Dose mehrheitlich für gut recycelbar und liegen damit deutlich näher an der Wahrheit als die Deutschen. So glauben 78 Prozent der Briten, dass die Getränkedose einfach zu recyceln ist. Dieser Wert entspricht fast genau der europäischen Recyclingquote für Getränkedose von 76,1 Prozent (Stand 2018). Dementsprechend beurteilen im Ausland 75% die Recyclingfähigkeit der Getränkedose als die größte positive Eigenschaft in Bezug auf die Umwelt.

Ideologisch geführte Debatte um Getränkedose

Das fehlende Wissen über Getränkeverpackungen ist auch der öffentlichen Auseinandersetzung geschuldet. Stephan Rösgen, Sprecher des Forum Getränkedose sagt:

„Die Umfrage zeigt: Wir brauchen mehr Aufklärungsarbeit in der Debatte um eine ökologische Weiterentwicklung von Getränkeverpackungen. Die Getränkedose ist in ökologischer Hinsicht deutlich besser als ihr Ruf. Getränkeverpackungen müssen ihren Stärken entsprechend eingesetzt werden: Mehrweg bei kurzen Distributionswegen, Getränkedosen bei längeren Distanzen. Eine Auseinandersetzung über Einweg und Mehrweg darf nicht ideologisch geprägt sein“.

Unwissen und Vorurteile überwiegen in der Wahrnehmung

Unklar ist den Deutschen der Umfrage zufolge auch der Herstellungsprozess von Getränkedosen. So wissen 78 Prozent der Deutschen nicht, dass das Recycling von Aluminium 95 Prozent weniger Energie benötigt. 64 Prozent glauben nicht, dass sich die Umweltbilanz der Getränkedose seit Einführung des Einwegpfandes im Jahr 2003 signifikant verbessert hat. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: In der Produktion von Getränkedosen wurden große Fortschritte gemacht: Heute wiegt eine 0,33 ml Aluminiumdose über 24 Prozent weniger als noch 1980. Die handelsübliche Getränkedose hat damit ein Gewicht von lediglich 12,2g und eine Wandstärke von 0,09 Millimeter, was dünner als das menschliche Haar ist. Hinzu kommt, dass europaweit die Produktion von Aluminium zu 70 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Der Anteil wird stetig ausgebaut und hilft, die CO2-Belastung zu reduzieren.

Immerhin: 80 Prozent der Befragten sagen, es sei „notwendig“, mit Hilfe einer neuen Ökobilanz die Umwelteigenschaft von Getränkeverpackungen genauer zu untersuchen. Die letzte vergleichende Ökobilanz zwischen Glas-, Metall- und Kunststoffgetränkeverpackungen des Umweltbundesamtes wurde vor über 18 Jahren durchgeführt (2002).

Warum die Vielfalt der Mehrwegflaschen nicht nachhaltig ist

Warum die Vielfalt der Mehrwegflaschen nicht nachhaltig ist

Der Blick in die Getränkeabteilung deutscher Supermärkte offenbart: Die Zahl der unterschiedlichen Mehrwegflaschen steigt ständig. Hinter der großen Auswahl verbirgt sich ein komplexes System. Die ökologische Sinnhaftigkeit durch die Sortier- und Transportabläufe ist anzuzweifeln.

„Nachhaltig“ ist kein USP der Mehrwegflaschen

Der Begriff Mehrweg ist oft schnell mit Nachhaltigkeit verstanden. Entscheiden sich Getränkehersteller für die Mehrwegflasche, spielt jedoch ein zweiter Faktor eine große Rolle: Das Produktdesign gewinnt immer mehr an Bedeutung, um sich von Wettbewerbern zu unterscheiden und die Verpackung für den Verbraucher attraktiver zu machen.

Kreative Designs helfen, die Wahrnehmung der Marke zu verbessern und den Umsatz anzukurbeln. Dabei geht es nicht nur darum, ausgefallene Etikette als Eye-Catcher zu schaffen, sondern auch durch die Form der Flasche aufzufallen. Ob langer dünner Flaschenhals oder ikonisches Ploppen des Verschlusses, die Form der Flasche kann Teil des Trinkerlebnisses sein. Veltins Pressesprecher Ulrich Biene erklärt den Anstieg der Verkaufszahlen in einem Beitrag der Zeitschrift P.M. mit der veränderten und höherwertigen Optik der Flaschen: „Der Verbraucher nimmt die Flasche in die Hand oder setzt sie sogar an den Mund an. Dichter dran kann man nicht am Kunden sein.“

Konsequenz dieser Entwicklung ist aber auch die sinkende Anzahl von Pool– und wachsende Anzahl von Individualflaschen. Die Einheitsflaschen verkaufen sich nicht mehr so gut. 

2012 lag der Anteil von Individualflaschen im Biersegment noch bei 15 Prozent – fünf Jahre später schon bei 42 Prozent. Mittlerweile sind 1.500 verschiedene Flaschen im Umlauf und werden in bis zu 3000 verschiedenen Kästen quer durch Deutschland transportiert.

1.000.000.000 fehlgeleitete Mehrwegflaschen pro Jahr in Deutschland

Das Mehrweggebinde verspricht, seinen Weg zum Abfüller zurück zu finden – dort angekommen, folgt eine neue Abfüllung. Mit der 1969 auch für Mineralwasser eingeführten Perlflasche funktionierte das vier Jahrzehnte auch gut. Bundesweit von nutzen diese zahlreiche Getränkeabfüller. So waren die Transportwege zwischen Hersteller, Abfüller und Kunde vergleichsweise gering. Doch die individuelle Flasche löste die Perlflasche oder Standard-Bierflasche als Verpackung für viele Getränke ab.

Die sogenannte „Pool“-, also Standard-Bierflasche legte im Jahr 2013 laut einem Gutachten der Unternehmensberatung Deloitte im Durchschnitt 419 Kilometer zurück. Bei der Individualflasche waren es 537 Kilometer, also 118 km mehr. Der Grund: Die individuelle Flasche muss zu ganz bestimmten Abfüllorten zurück, die Standardflasche ist nicht an einen Abfüller gebunden.

Voraussetzung für eine Rückführung der inzwischen mehr als 1500 Typen von Individualflaschen ist, dass diese richtig sortiert sind und in den richtigen Kästen landen. Dafür ist händische Arbeit nötig, denn viele Flaschen landen beim falschen Abfüller. In Deutschland handelt es sich dabei um eine Milliarde fehlgeleitete Flaschen, deren Entsorgung und Transport immensen Aufwand bedeuten. Allein bei der Flensburger Brauerei landen jede Woche bis zu 80.000 Flaschen, die nicht wieder befüllt werden können. Der Weg, bis diese Flaschen beim vorgesehenen Abfüller landen, falls sie es tun, ist umso länger. Der Aspekt der Nachhaltigkeit bleibt bei diesem Trend auf der Strecke, bilanziert Stephan Rösgen vom Forum Getränkedose: „Die steigende Zahl individueller Mehrwegflaschen führt zu einem deutlichen Anstieg der Transportwege – mit allen negativen Folgen für das Klima. Dagegen werden Getränkedosen nach der Rückgabe im Pfandautomaten gepresst und gehen direkt zum nächsten Recyclingbetrieb.“

Aussortiert: Das frühe Ende einer Mehrwegflasche

Der aufwendige und schwere Transport leerer Flaschen ist nur ein und aus ökologischer Sicht noch nicht mal der Aspekt, der sich besonders negativ auf die Umweltbilanz von Mehrweg auswirkt.

Auch die oft zitierte Wiederbefüllungsrate von Mehrwegflasche – angeblich 50-mal – ist ein hypothetischer Wert. In der Realität findet der Lebenszyklus oft wesentlich früher sein Ende. Das liegt unter anderem daran, dass viele Flaschen die 50 Umläufe nicht schadlos überstehen und eine abgenutzte Flasche sich schlecht verkauft. Diese werden deshalb in der Qualitätsprüfung oft früher aussortiert. Es liegt aber auch daran, dass die vielen Individualflaschen gar nicht den Weg zurück zu ihrem Abfüller finden, denn der Prozess ist mit den über 1500 verschiedenen Flaschentypen viel zu komplex. Das Deloitte-Gutachten zeigt, dass Individualflaschen in der Praxis im Schnitt lediglich 23-mal wieder befüllt werden und das auch nur, wenn sie tatsächlich zwischen den verschiedenen Abfüllern getauscht werden. Das passiert aber auch immer weniger.

Was heißt das für die Umwelt?

Die Vielzahl an verschiedenen individuellen Flaschentypen und Kästen wächst. Ebenso die Menge des aussortierten und fehlgeleiteten Leerguts. Das hin und her der verschiedenen Gebinde stellt durch den aufwendigen Transport und die damit verbundenen CO2-Emissionen von Mehrwegflaschen eine immer größere Belastung für die Umwelt und keine nachhaltige Lösung dar.

„Das Comeback der Getränkedose: Wie umweltfreundlich ist sie?“

Faktencheck des HR-Beitrags von Stephanie Krüger

„alles wissen“ im hr-Fernsehen vom 10.12.2020

Die Getränkedose erfreut sich wachsender Beliebtheit. Aber: Wie passt eine Einweg-Getränkeverpackung aus Metall zum Anspruch einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Industrie? Ein Beitrag des Hessischen Rundfunks in der Sendung „Alles Wissen“ geht dieser Frage nach und dokumentiert vor allem „Nicht-Wissen“. Redakteurin Stephanie Krüger verzichtet darauf, Aussagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und arbeitet mit irreführenden Bildern und falschen Behauptungen. Wir haben den Beitrag vom 10.12.2020 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einem Faktencheck unterzogen:

Behauptung im HR-Beitrag: Zunehmende Marktanteile der Getränkedose sind aus Umweltsicht höchst bedenklich.

Fakt ist: Die Behauptung ist falsch. Die Getränkedose ist Teil einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Verpackungspolitik. Die Getränkedose ist mit einer Recyclingquote von 99,1 Prozent die am häufigsten der Kreislaufwirtschaft zurückgeführte Getränkeverpackung. Kein anderes Gefäß hat zudem ein so günstiges Verhältnis zwischen Inhalt und Verpackung – vom Gesamtgewicht einer Getränkedose entfallen nur 3 Prozent auf die Verpackung, aber 97 Prozent auf den Inhalt.

Zudem wurden in der Produktion von Getränkedosen große Fortschritte gemacht: Heute wiegt eine 0,33 Aluminiumdose über 24 Prozent weniger als noch 1980. Die Aluminiumindustrie hat seit 1990 rund 55-Prozent an CO2 Emissionen eingespart. Über 70% der von der europäischen Aluminiumindustrie verbrauchten Energie stammten bereits 2015 aus regenerativen Energien – Tendenz steigend. Die Umweltformel lautet daher: Mehrweg regional, Getränkedosen darüber hinaus.

Am Gesamtgetränkemarkt in Deutschland haben Getränkedosen nur einen Marktanteil von 4%. Dementsprechend ist der Anteil nicht höchst bedenklich, sondern noch zu gering.

Behauptung: Den unendlichen Recyclingkreislauf, den man suggeriert, den gibt es nicht.

Fakt ist: Aluminium kann ohne Qualitätsverlust nahezu unendlich oft recycelt werden. Tatsächlich kommen von 1000 Getränkedosen 991 zurück in den Kreislauf und werden zu neuen Produkten, wie Pfannen, Fahrräder oder Fahrzeugteilen.

Keine andere Getränkeverpackung lässt sich so oft im Kreislauf führen wie die Dose.

Behauptung: Dosen bestehen zur Hälfte aus Neumaterial.

Fakt ist: Diese Aussage ist verallgemeinert und schlecht recherchiert. Mittlerweile bietet beispielsweise der Aluminiumhersteller Hydro die Möglichkeit an, Aluminium zu kaufen, das zu 75 Prozent aus recycelten Dosen besteht. Erste Dosenhersteller nutzen das bereits, doch es gibt längst nicht genug Ausgangsmaterial. Viele Aluminiumhersteller bieten spezielles Aluminium aus recycelten Getränkedosen gar nicht an. Der Grund: Für die Umwelt ist es völlig irrelevant, ob eine recycelte Getränkedose zu einer Bratpfanne, einem Bauteil für ein E-Auto oder einer neuen Dose wird. Hauptsache, das Material kommt durch hohe Recyclingraten zurück in den Kreislauf. Und 99,1 % aller in Deutschland verkauften Getränkedosen kommen als neues Produkt zu uns zurück. Mehr als jede andere Getränkeverpackung!

Behauptung: Um an den Rohstoff Aluminium zu kommen, muss man den Rohstoff Bauxit abbauen. Für die Dose müssen deshalb Naturräume zerstört werden.

Fakt ist: Aluminium ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste und überall zu finden. Die europäische Aluminiumindustrie treibt zudem die Rekultivierung und Aufforstung genutzter Flächen voran, um den Umwelteinfluss gering zu halten.

Für recyceltes Aluminium bleibt die Natur unberührt. Zudem ist der Hauptabnehmer für neues Aluminium nicht die Getränkeindustrie, sondern die Fahrzeug- und Bauindustrie. Von 1000 Kilo produziertem Aluminium fließen in Deutschland gerade einmal 26,4 Kilo in Nahrungsmittelverpackungen aus Aluminium (z.B. Alufolie, Joghurtdeckel, etc.) und Getränkedosen – also insgesamt gerade einmal 2,64 Prozent!

Behauptung Recycling von Getränkedosen belastet die Umwelt und kostet viel Energie.

Fakt ist: Das Gegenteil ist richtig. Recyceltes Aluminium benötigt 95% weniger Energie als die Primärherstellung. Der Energieverbrauch bei recyceltem sekundärem Aluminium beträgt lediglich 0,7 kWh pro kg Aluminium. Nutzt man erneuerbare Energiequellen, sinken die mit der Herstellung verbundenen CO2 Emissionen erheblich.

Behauptung: Zur Herstellung von Aluminium ist 27 x mehr Energie erforderlich wie zur Herstellung von Glas.

Fakt ist: Eine gute Recherche hätte gezeigt, dass der Vergleich falsch und irreführend ist. Der Materiallebenszyklus endet nicht nach der Primärherstellung. Sowohl für Flaschen als auch Getränkedosen gilt: Was passiert nach dem Recycling? In der Hohlglas Produktion von Flaschen liegt der Energieaufwand bei 1,86 kWh pro kg Glas. Dem gegenüber stehen die 0,7 kWh für die Herstellung von Sekundäraluminium, welches nahezu unendlich recycelbar ist.

Zudem entwickelt die Aluminiumindustrie innovative Methoden, um die Herstellung noch umweltfreundlicher zu machen. So werden beispielsweise neue Verfahren entwickelt, in denen das Aluminium geschreddert und dann gepresst wird, wodurch auf den umweltbelastenden Schmelzvorgang komplett verzichtet wird.

Behauptung: Das Verpackungsgesetz sieht eine Mehrwegquote von 70 Prozent vor.

Fakt ist: Kein Gesetz sieht eine solche Quote vor. Richtig ist, dass der Bundestag sich selbst auferlegt hat, „auf der Basis ökobilanzieller Erkenntnisse“ weitere Maßnahmen zu prüfen, sollte die Mehrwegquote unterhalb dieser Schwelle sein. Tatsächlich hätte eine solche Quote katastrophale Auswirkungen für die Umwelt. Es drohen täglich weitere 700.000 km Fahrten von LKWs, die leeren Mehrweg-Flaschen zurück zum Abfüller transportieren. Das entspricht 18 Erdumrundungen.

Behauptung: Die Dose ist eine unökologische Verpackung und muss deshalb mit einer Strafabgabe belegt werden.

Fakt ist: Rund 45 Prozent aller Mehrwegflaschen sind heute so genannte Individualflaschen, die über weite Strecken transportiert werden müssen. Bereits 2013 fand Deloitte in einer Studie heraus, dass jede Individualflasche im Schnitt 537km transportiert wird. Seitdem ist der Anteil von individuellen Mehrwegflaschen, die deutlich längere Transportwege als Standardflaschen zurücklegen, noch deutlich gestiegen. Die DUH weigert sich jedoch, eine neue vergleichende Ökobilanz aller Getränkeverpackungen zu unterstützen, um das genauer zu untersuchen.

Behauptung: Bis die Dose beim Kunden ankommt, muss sie relativ weitere Strecken zurücklegen. Sie ist nicht regional.

Fakt ist: Richtig ist – die Transportwege von Dosen sind signifikant geringer als von Glasflaschen. Anders als die Mehrwegflasche, muss die Dose nicht zurück zum Abfüller transportiert werden, sondern nur zum nächsten Recyclinghof. Im Vergleich zeigt sich zudem, dass ein 40-Tonnen-LKW 22.464 Liter Bier in Dosen transportieren kann, aber nur 11.600 Liter in Getränkeflaschen. Da sich bei leeren Flaschen das Transportvolumen nicht ändert, muss ebenfalls ein LKW für den Rücktransport zum Einsatzkommen. Hingegen passen die gepressten Getränkedosen – bildlich gesprochen – in einen VW Touran. Die CO2 Belastung ist also deutlich geringer.

Behauptung: Es gibt nur wenige Hersteller und damit Abfüller von Getränkedosen.

Fakt ist: Hersteller und Abfüller sind nicht identisch, die Aussagen der DUH daher grob falsch. Es gibt sowohl für Getränkedosen als auch Glas wenige Herstellungsstandorte in Deutschland. Für die Getränkedose sind es 5, für Glas fehlt eine genaue Zahl. Aber für Glas und Dose gilt: Die leeren neuen Getränkeverpackungen werden von dort zu tausenden Abfüllern transportiert, der Getränke sowohl in Dosen, PET und Flaschen abfüllen.

Am Ende behauptet Stephanie Krüger in ihrem Beitrag, dass „Experten“ die Dose für die klimaschädlichste Getränkeverpackung halten. Welche Experten – außer den Fake-Experten der DUH – sagt der Beitrag nicht. Und einen Beleg für die These bleibt er vor dem Hintergrund der vielen Falsch-Behauptungen auch schuldig.

Übersicht Quellen:

https://www.aluinfo.de/recycling.html

http://www.aluinfo.de/latest-news-detail/new-life-cycle-assessment-for-aluminium-beverage-cans.html

https://www.hydro.com/Document/Index?name=Hydro%20CIRCAL%20Brosch%C3%BCre&id=409785

https://www.european-aluminium.eu/media/2713/european-aluminium-mpe-aluminium-beverage-can-2017-recycling-rate-press-release-1.pdf

https://www.metalpackagingeurope.org/sites/default/files/2020-01/20190723_Metal%20Packaging%20Europe_Alu%20Bev%20Cans%20LCA_Executive%20Summary.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/mehrweganteil-bei-getraenken-2017-weiter-gesunken-0

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28203/umfrage/verwendung-von-aluminium-nach-industriezweigen-in-2007/#professional

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020-06-24_texte_109-2020_moeve-2018.pdf

http://www.alu-menziken.com/?p=9

https://www.allesueberalu.de/Getraenkedosen-aus-Aluminium.html

https://european-aluminium.eu/resource-hub/environmental-profile-report-2018/

https://docplayer.org/43097963-Umlaufzahlen-und-transportentfernungen-in-der-getraenkeindustrie.html

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-09-09_texte_106-2019_einweggetraenkeverpackungen-2017.pdf

https://www.hydro.com/de-DE/aluminium/products/walzprodukte/dosen/

https://www.hydro.com/de-DE/aluminium/products/bauxit-und-aluminiumoxid/

https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/alles-wissen/sendungen/das-comeback-der-getraenkedose-wie-umweltfreundlich-ist-sie,video-138994.html

Wie nachhaltig ist die Getränkedose?

Wie nachhaltig ist die Getränkedose?

Die Getränkedose ist der Recyclingmeister unter den Getränkeverpackungen. Doch in Sachen Nachhaltigkeit hat sie noch weitaus mehr zu bieten. Wir zeigen, wie nachhaltig die Getränkedose von der Herstellung in der Fabrik bis zur Recyclinganlage wirklich ist. Wir klären auf – mit Fakten gegen Vorurteile.

Beginn einer Reise

Die Nachhaltigkeit einer Getränkeverpackung zu bewerten ist kompliziert. Die wissenschaftliche Praxis hat gezeigt, dass letztendlich immer die konkrete Konsumsituation entscheidend ist. Diese Beobachtung gilt sowohl für die Getränkedose als auch für Mehrwegflaschen. Betrachtet man die Reise einer Getränkedose von der Produktion über Transport und Verbrauch bis hin zum Recycling, wird deutlich, dass die diese in Sachen Nachhaltigkeit deutlich aufgeholt hat. In der Herstellung – der ersten Station ihrer Reise – kann sich die Dose jedenfalls sehen lassen. Das ist insbesondere dem Material zu verdanken. Der Rezyklatgehalt von Aluminiumdosen liegt zwischen 47 und 75 Prozent. Heute verbraucht recyceltes Aluminium 95 Prozent weniger Energie als Aluminium in der Primärherstellung. Der Anteil erneuerbarer Energien in der Aluminiumproduktion wächst und lag 2015 europaweit bei stolzen 70 Prozent.

Federleichter Transport der Getränkedose

Nach der Herstellung kann die Dose nicht nur optisch glänzen, sondern auch beim Transport. Die leichteste Getränkedose Europas wiegt nur 9,2 Gramm und kann trotzdem ganze 0,33 Liter eines Getränks fassen. Das Verhältnis von nur 3 Prozent Verpackung zu 97 Prozent Produkt ist besser als bei jeder anderen Verpackung. Ein Pluspunkt für die Dose. Zudem kann die Metalldose material- und platzsparend dicht an dicht gelagert und transportiert werden. In einen 40-Tonnen-LKW passen 22.464 Liter Bier in Dosen, aber nur 11.600 Bier in Mehrwegflaschen. Anders als viele Mehrwegflaschen muss eine Getränkedose nach dem Verbrauch nicht zur Reinigung zurück zum Abfüller. Der Weg führt diese nur zum nächstgelegenen regionalen Recycler – das spart Transportwege und somit klimaschädliches CO₂.

Geschlossener Kreislauf

Stabil und sicher schützt die Getränkedose ihren Inhalt vor Zerfall durch Licht und Sauerstoff – und ist damit auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Verschwendung von Lebensmitteln nachhaltig. Bei Verbrauchern erlebt die Dose daher ein Comeback. „In Sachen Nachhaltigkeit hat sich das Profil der Getränkedose seit Einführung des Einwegpfands weiter signifikant verbessert“, so Stephan Rösgen, Geschäftsführer des Forums Getränkedose. Denn nach dem Verzehr wird die Aluminiumdose in Deutschland in 99,1% der Fälle recycelt. Sie ist daher der unangefochtene Recyclingmeister unter den Getränkeverpackungen in Deutschland. In gepressten Ballen wird die Dose effizient zurück zur Recyclinganlage transportiert. Doch die Reise der Getränkedose ist hier nicht zu Ende: Als permanent material kann sie nahezu unendlich oft recycelt werden. Der Kreislauf beginnt von Neuem.