„Die Politik sollte sich nicht von der ökologisch wenig erfolgreichen Konfrontation Einweg gegen Mehrweg treiben lassen.“

Die langjährige Kreislaufwirtschaftsexpertin Claudia Bierth übernimmt den Vorsitz des Forum Getränkedose. Zuständig für Nachhaltigkeit und den umweltpolitischen Dialog beim Dosenhersteller Ball Beverage Packaging Europe folgt sie turnusmäßig auf Stephan Rösgen von Ardagh Metal Packaging, der das Forum Getränkedose zuletzt führte. Was ändert sich? Was sind die Herausforderungen? Wir haben mit Ihr gesprochen:

Frau Bierth, Sie übernehmen zum 1. Januar die Geschäftsführung von Forum Dose. Welches Thema steht ganz oben auf Ihrer Agenda?

Eine zukunftsfähige Umweltpolitik für Getränkeverpackungen, die auf wissenschaftlich überprüften Daten und Fakten basiert, und für die einzelne Segmente Optimierungsziele vorgibt, so das am Ende das bestmögliche Ergebnis für die Umwelt rauskommt. Die neue Koalition zwischen SPD, Grünen und FDP bietet hier eine Chance für einen unverstellten, faktenorientierten Blick auf das Thema „Ökologie der Getränkeverpackungen“.

Mehr Klima- und Umweltschutz im Bereich der Getränkeverpackungen – wie kann die Politik das erreichen?

Statt sich von der ökologisch wenig erfolgreichen Konfrontation Einweg gegen Mehrweg treiben zu lassen und die Systeme gegeneinander auszuspielen, ist es sinnvoller, das volle ökologische Potential der Getränkeverpackungen zu heben und zu schauen, wie dies zur Erreichung der deutschen Klimaziele beitragen kann.

Die derzeit laufende UBA-Studie zur ökologischen Optimierung von Getränkeverpackungen, die sich auf Zukunftsszenarien im Jahr 2030 und 2050 konzentriert, kann hier gute Impulse und Daten für Ziele liefern, sofern hier nicht von vorneherein eine Bewertung stattfindet.

Doch zu einer Auflösung des Systemkonflikts gehört auch eine ehrliche und transparente Darstellung der gegenwärtigen Situation von Getränkeverpackungen. Nur dann kann eine transparente, objektive, faktengestützte Prüfung und Bewertung von Maßnahmen als Grundlage für die politische Entscheidungsfindung stattfinden.

Die Getränkedose wird in Deutschland deutlich kritischer gesehen als in allen anderen europäischen Staaten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Angesichts der weltweit höchsten Recyclingquote von Getränkedosen und Getränkeverpackungen überhaupt erstaunt dies auf den ersten Blick. Allerdings sieht man sich in Deutschland oft gerne als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Umweltpolitik in der EU, wenn nicht sogar weltweit. Und obwohl oft berechtigt, verführt dies manchmal zu einer eher isolationistischen Haltung, die sich mehr an Ideologie statt and Ergebnissen orientiert und den Blick für heutige Lebens- und Konsumrealitäten verbaut.

Claudia Bierth übernimmt Vorsitz des Forums Getränkedose

Berlin, 10.01. 2022. Wechsel in der Sprecherposition des Forums Getränkedose: Seit Beginn des Jahres ist Claudia Bierth, europäische Nachhaltigkeitsmanagerin bei Ball Beverage Packaging Europe, Geschäftsführerin des Forums Getränkedose.

Sie übernimmt die Funktion von Stephan Rösgen, der die Vereinigung seit 2018 erfolgreich als Sprecher vertreten hat und für den Getränkedosenhersteller Ardagh Metal Beverage weiter im Board mitwirken wird. Die Sprecherfunktion wechselt turnusmäßig zwischen den Vertretern der Mitgliedsunternehmen. 

Claudia Bierth vom Getränkedosenhersteller ist seit 2017 bei Ball Packaging für den umweltpolitischen Dialog mit Stakeholdern in Brüssel sowie für Nachhaltigkeit und Public Affairs in Mitteleuropa zuständig.

Zu den Zielen der Vereinigung sagte Bierth: „Eine 100%tige Recyclingquote ist möglich. Mit der Dose stehen wir in Deutschland kurz davor. Um eine echte Kreislaufwirtschaft zu erreichen, müssen Recyclingquoten durch zirkuläre Verpackungsmaterialien, ein auf Kreislauffähigkeit ausgelegtes Produktdesign und gesetzliche Rahmenbedingungen für Wiederverwertbarkeit und geschlossene Kreisläufe ergänzt werden.“

Als Kreislaufwirtschaftsexpertin bringt Bierth Erfahrungen aus über 20 Jahren in den Bereichen Nachhaltigkeit, Stakeholder-Engagement und politische Kommunikation sowie Stationen in Deutschland, Nordamerika und Indien mit. Bei dem europäischen Dachverband Metal Packaging Europe in Brüssel ist sie seit 2019 Vorsitzende des Ausschusses für European Affairs.

Mit einer Recyclingrate von 99,3% ist die Dose der Recyclingmeister unter den Verpackungen. „Die Herausforderung liegt darin, das Gesamtsegment der Getränkeverpackungen nachhaltig weiterzuentwickeln. Das gilt für Einweg ebenso wie Mehrweg.“, so Bierth.

Claudia Bierth

Über das Forum Getränkedose:

Die Getränkedose gehört zu Europa. In den starken Märkten hat sie eine starke Stimme – in Deutschland durch das Forum Getränkedose, stellvertretend für die Verpackungshersteller Ardagh Group, Ball Beverage Packaging Europe und Crown Holdings. Die Zielsetzung des Forum Getränkedose ist die Aufklärung, Förderung und die kommunikative Unterstützung der Getränkedose in Deutschland. Die europäische Dachorganisation ist Metal Packaging Europe.

Mehr über die Getränkedose unter: www.recyclingmeister.de

Über Metal Packaging Europe:

Metal Packaging Europe (MPE) vereint Hersteller von starren Metallverpackungen, Zulieferer und nationale Verbände unter einem Dach und lässt die europäische Metallverpackungsindustrie mit einer Stimme sprechen. Metal Packaging Europe ist im Frühjahr 2017 aus Beverage Can Makers Europe (BCME) und European Metal Packaging (Empac) hervorgegangen.

Nach der Wahl: Wie geht es weiter mit der Ökologie von Getränkeverpackungen?

Interview mit Stephan Rösgen

Was bedeutet die Bundestagswahl vom 26. September für die Getränkedose und andere Getränkeverpackungen? Drei Fragen an Stephan Rösgen, Sprecher des Forum Getränkedose, über die Herausforderung der nächsten Bundesregierung, das Gesamtsystem der Getränkeverpackungen ökologisch weiterzuentwickeln:

Stephan Rösgen
Stephan Rösgen, Sprecher des Forum Getränkedose
In welcher Konstellation der kommenden Bundesregierung hat das Thema Klima- und Umweltschutz einen hohen Stellenwert? Was kann im Bereich der Getränkeverpackungen noch besser werden?

Wir sehen in einer sich abzeichnenden Koalition von SPD, Grünen und FDP eine Chance für einen unverstellten, nicht ideologisierten Blick auf das Thema „Ökologie der Getränkeverpackungen“. Wir haben hierzu ein Konzeptpapier erstellt, dass sich bewusst von der ökologisch wenig erfolgreichen Konfrontation Einweg gegen Mehrweg abwendet. Stattdessen schlägt es vor, das volle Potential der Getränkeverpackungen zu heben.

Welche politische Entscheidung der letzten Jahrzehnte hat der Umwelt am meisten genützt?

Sicherlich in ganz besonderem Maße die Einführung der Erweiterten Produktverantwortung im Jahr 1990 durch den damalige Bundesumweltminister Prof Klaus Töpfer. Was seitdem in Deutschland immer wieder als unzureichendes Konzept angegriffen wird, ist über den gesamten Globus verteilt und in Europa ganz besonders zum unbedingten Erfolgsmodell geworden. Die Bürger werden auf diesem Wege informiert, an das Thema herangeführt und so entwickelt sich die notwendige Sensibilität, um die nächsten Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft zu unternehmen.

Was würden Sie sich wünschen: Was sollte jeder Politiker über die Getränkedose wissen?

Dass sie das perfekte Beispiel für Kreislaufwirtschaft ist.

Ihr Material kann nahezu unbegrenzt oft wieder in neue Produkte recycelt werden, sie hat perfekte Schutzfunktionen für die enthaltenen Produkte und der Verbraucher weiss mittlerweile, dass er sie zurück in den Kreislauf bringt, bringt der Umwelt und dem Umweltschutz großartige Vorteile.

Mehr Informationen zu der Ökologie von Getränkeverpackungen gibt es bei unseren Dosen-News: https://recyclingmeister.de/einweg-mit-pfand-im-podcast

„Mit dem Haferdrink aus der Dose vereinbaren wir Nachhaltigkeit und Convenience“

„Mit dem Haferdrink aus der Dose vereinbaren wir Nachhaltigkeit und Convenience“


Mit einem veganen und laktosefreien Haferdrink will der Milchmixhersteller Münsterland J. Lülf GmbH sich neue, umweltbewusste Zielgruppen erschließen. Sein Trendgetränk „I am your oat“ füllt der Hersteller bewusst in Getränkedosen ab. Wir haben mit Marketing- und Vertriebsleiter Andreas Schill über die Gründe gesprochen:

Wie ist man bei Münsterland dazu gekommen, in der Getränkedose abzufüllen?

Unser Unternehmen Münsterland produziert ausschließlich Milchmischgetränke, die in Glas oder Getränkedosen auf den Markt kommen. Bei unseren Produkten und der Verpackung schauen wir stark auf die Nachhaltigkeit in den einzelnen Gebinden – da kommen nur diese beiden in Frage. Und anders als die 250ml Getränkedose, die überall am Pfandautomaten zurückgegeben werden kann, ist die Einführung eines neuen Gebindes aus Einwegglas komplizierter, weil der LEH nur Gebinde annimmt, die man selbst schon führt und Einwegglas ist noch nicht als Pfandgebinde unterwegs.

Hafermilch kennt man üblicherweise aus dem Tetra Pak

Das ist richtig. In Supermärkten finden Sie in diesem Segment überwiegend Tetra Pak, welches keine vergleichbaren Recyclingeigenschaften hat. Wir sind Pionier darin, Haferdrinks in der Getränkedose anzubieten. Wir sind die ersten, die das machen.

Auch das wir den Weg in die Tankstellen gehen. Dort ist Nachhaltigkeit noch nicht so verstärkt angekommen und Haferdrinks spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das möchten wir ändern und führen neben dem LEH auch in diesem Segment unser Produkt ein. Als leckeres To-Go-Getränk sind wir gespannt, wie es neben dem LEH auch in diesem Segment angenommen wird.

Veganes Produkt und Getränkedose – passt das zusammen?

Es gab nur positive Resonanz. Wir haben im Vorfeld das Produkt testen lassen und auch in den Gesprächen seit der Einführung zeigt sich: Die Getränkedose wird absolut positiv gesehen. Gleichzeitig sind sich die Kunden der nachhaltigen Eigenschaften des Produkts bewusst. Beides passt also gut zusammen – für unseren veganen Haferdrink ist die Dose perfekt.

Wir haben eine Zielgruppe, die zu 70% aus jungen Damen und zu ca. 30% aus Männern besteht. Viele davon sind umweltbewusste junge Menschen, die wir mit einem nachhaltigen Produkt überzeugen möchten. Das gilt für die Verpackung, wie auch dem Getränk. Das heißt, mit dem Haferdrink aus der Dose vereinbaren wir Nachhaltigkeit und den Convenience-Gedanken. Das zeigt sich an einer leichten, stabilen, recyclingfähigen Verpackung und einem leckeren veganem To-Go-Getränk in den Geschmacksrichtungen Vanille, Kakao und Kaffee.

Welche Rolle spielt das Design der Getränkedose?

Das Design von „I am your oat“ kommt sehr gut an. Sowohl von Einkäufern als auch Kunden hören wir: Die Dose sieht toll aus, sieht klasse aus. In dem Bereich der Getränkedosen gibt es viele Möglichkeiten, mit einem tollen Design zu überzeugen. Schauen sie sich nur mal die Vielfalt der Dosen im Supermarkt an.

Hatten Sie Bedenken in der Getränkedose abzufüllen?

Es heißt immer, es würde durch das Wegwerfen von Dosen so viel Müll produziert werden, aber wenn man durch den Wald geht, dann sieht man alle möglichen Verpackungen, aber kaum eine Getränkedose. Die hohe Recyclingrate und die Anhebung der Pfandquote auf 100 Prozent sprechen für sich.

Wir sind mit der Dose froh – und von daher alles richtig gemacht. Wir werden jetzt schauen, wo die Reise hingeht. Nachhaltige Produkte sind die Zukunft. Auch wenn das Pflänzchen vom Volumen noch klein ist, es wächst, wächst und wächst.

„Mehr ökologische Zielvorgaben, weniger Ideologie.“

Claudia Bierth, Sustainability Managerin

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind in vielen Industrien von wachsender Bedeutung und rücken in Zuge des Green Deals immer weiter in den Fokus von Gesellschaft und Politik. Das gilt auch für Getränkeverpackungen. Wir haben mit Claudia Bierth, European Sustainability und Public Affairs Managerin beim Getränkedosenhersteller Ball, über die europäische Recycling- und Verpackungspolitik gesprochen.

Frau Bierth, welche Entwicklungen und Zielsetzungen gibt es im Rahmen des Green Deal im Bereich der Getränkeverpackungen?

Claudia Bierth: Die Kommission überarbeitet derzeit die europäische Richtlinie für Verpackungen und Verpackungsabfälle. Hierbei stehen nun die Recyclingfähigkeit und das hochwertige Recycling von Verpackungen im Vordergrund. Vorher schaute man nur auf die Gewichtsreduzierung und den CO2-Fußabdruck. Das ist ein echter Paradigmenwechsel in der europäischen Verpackungspolitik. Es geht darum, Verpackungsmaterialien, z.B. Getränkeverpackungen, so lange wie möglich im Kreislauf zu halten. Die starre Fokussierung auf den Ressourcenverbrauch hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass es sehr viele extra leichte und effiziente Verpackungen auf den Markt waren. Diese waren gar nicht oder nur schlecht zu recyceln.

Müllvermeidung ist kein Thema mehr?

Claudia Bierth: Doch natürlich. Es gibt konkrete Vorschläge zur Reduzierung und Vermeidung von Verpackungsabfällen neben der Förderung von Mehrwegsystemen z.B. zur Reduzierung von Verpackungsteilen, die den Schutz des Packgutes bei der Lagerung und beim Transport nicht verbessern und daher unnötig sind. Außerdem soll die Anzahl der in einer Verpackung verwendeten Materialien oder Polymere verringert werden.

Inwieweit ist der europäische Aktionsplan Kreislaufwirtschaft in Deutschland angekommen?

Claudia Bierth: In Deutschland wird der neue europäische Aktionsplan Kreislaufwirtschaft grundsätzlich positiv gesehen, die Kreislaufwirtschaft als Motor für eine nachhaltige europäische Wachstumsstrategie zu positionieren. Produktspezifische Quoten für Rezyklate, wie es sie z.B. für PET Flaschen schon gibt, werden als wichtiger Treiber für die Nachfrage nach recycelten Materialien gesehen. Die Zögerlichkeit hinsichtlich eines Deponierungsverbots von recycelbaren und verwertbaren Abfällen, eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, wird jedoch von vielen kritisch gesehen.

Was bedeutet der Aktionsplan für die Getränkeverpackungen und die Dose?

Claudia Bierth: Das permanente Material der Getränkedose bietet inhärente Vorteile. Im Gegensatz zu den meisten anderen Verpackungsmaterialien lässt sich Metall – ob Aluminium oder Stahl – immer wieder und nahezu unbegrenzt und ohne Qualitätsverlust recyceln. So bleibt das Material lange im Kreislauf erhalten und kann für den gleichen Verpackungstyp oder ein anderes hochwertiges Produkt wieder eingesetzt werden.

Seit Jahren arbeiten wir daran, den CO2-Fußabdruck in unserer Industrie zu reduzieren, z.B. durch Gewichtsoptimierung (ca. 40% Reduzierung Standarddose gegenüber den 80er Jahren) und Recycling. Recycling ist dabei der wichtigste Hebel und kann speziell bei Aluminium eine 95%ige Energieeinsparung gegenüber Primäraluminium bringen.

Was kann Deutschland mit Blick auf Brüssel lernen? Was muss sich ändern?

Claudia Bierth: In Brüssel werden Metallverpackungen wie die Getränkedose nicht als Problem gesehen, da sie enorm recyclingfähig sind und in vielen EU-Ländern bereits eine sehr gute Sammelinfrastruktur besteht. In Deutschland ist die Haltung trotz der weltweit höchsten Recyclingquote von 99,1% kritischer. Deutschland sieht sich, gerade im Bereich Umweltpolitik gerne als Vorreiter in der EU, wenn nicht sogar weltweit. Und in vielen Bereichen ist diese Perspektive sicherlich berechtigt. Manchmal verführt dieser Blick jedoch auch zu einer eher isolationistischen Haltung, die den Blick für heutige Lebens- und Konsumrealitäten verbaut. Das führt zu Alleingängen, die am Ende nicht gut für die Umwelt sind.

Inwiefern?

Claudia Bierth: Beispiel Mehrweg: Eigentlich ein Mittel zum Zweck, aber in Deutschland hat man manchmal den Eindruck, es handelt sich eher um ein Glaubensbekenntnis. Mehrweg ist nicht per se umweltfreundlicher, das zeigt insbesondere die schlechte Transportbilanz der Individualflasche. Insofern ist Mehrweg ökologisch und betriebswirtschaftlich nur sinnvoll bei kurzen Wegen und einheitlichen Flaschen. Für die übrige Vielfalt ist die Geträn­kedose in vielen Situationen eine gute Wahl.

Auch die EU hat Mehrwegförderung auf der Agenda. Aber sie ist sich bewusst, dass Mehrweg nicht immer besser ist. Daher wird sie Vorschläge zur Mehrwegförderung auf Basis umfangreicher Umweltverträglichkeitsprüfungen ausarbeiten. Umwelt- und wirtschaftlichen Auswirkungen der Instrumente werden auf wissenschaftlicher Basis bewertet – und nicht auf Basis politischer Opportunität.

Und das wünschen Sie sich auch für Deutschland?

Ja, statt ideologischer Maximalforderungen brauchen wir in Deutschland ökologische Zielvorgaben. Das gilt für alle Getränkeverpackungen, egal ob Mehrweg- oder Einwegflaschen aus Glas oder PET, ob Getränkedosen oder Getränkekartons. Von Einweg oder Mehrweg zu optimiertem Einweg und Mehrweg – das muss unter Umweltaspekten unser Ziel sein.

Getränkedose: Deutsche sind im EU-Vergleich die „Umwelt-Dummies“

Das Wissen der Deutschen über die Umweltverträglichkeit von Getränkedosen ist einer repräsentativen Umfrage zufolge deutlich weiter von der Realität entfernt als in allen anderen untersuchten europäischen Staaten. Die Deutschen wissen über die Umweltverträglichkeit von Getränkeverpackungen deutlich weniger als ihre europäischen Nachbarn in Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden, Italien und Großbritannien. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag von Metal Packaging Europe.

Recyclingwissen über Getränkedosen

Der Recyclingmeister Getränkedose ist noch nicht in den Köpfen angekommen

Danach glauben nur 41 Prozent der deutschen Verbraucher, dass Getränkedosen aus Metall „einfach zu recyceln und sortieren sind“. 32 Prozent halten die Getränkedose für überhaupt nicht recycelbar. Dabei ist die Getränkedose, die Getränkeverpackung mit der besten Recyclingquote. In Deutschland ist diese mit 99,1 Prozent so hoch wie in keinem anderen Land der Welt. Von einer Millionen Getränkedosen in Deutschland werden 991.000 recycelt und so zu neuen Produkten. Zum Vergleich: Belgier, Spanier, Italiener, Franzosen und Briten halten die Dose mehrheitlich für gut recycelbar und liegen damit deutlich näher an der Wahrheit als die Deutschen. So glauben 78 Prozent der Briten, dass die Getränkedose einfach zu recyceln ist. Dieser Wert entspricht fast genau der europäischen Recyclingquote für Getränkedose von 76,1 Prozent (Stand 2018). Dementsprechend beurteilen im Ausland 75% die Recyclingfähigkeit der Getränkedose als die größte positive Eigenschaft in Bezug auf die Umwelt.

Ideologisch geführte Debatte um Getränkedose

Das fehlende Wissen über Getränkeverpackungen ist auch der öffentlichen Auseinandersetzung geschuldet. Stephan Rösgen, Sprecher des Forum Getränkedose sagt:

„Die Umfrage zeigt: Wir brauchen mehr Aufklärungsarbeit in der Debatte um eine ökologische Weiterentwicklung von Getränkeverpackungen. Die Getränkedose ist in ökologischer Hinsicht deutlich besser als ihr Ruf. Getränkeverpackungen müssen ihren Stärken entsprechend eingesetzt werden: Mehrweg bei kurzen Distributionswegen, Getränkedosen bei längeren Distanzen. Eine Auseinandersetzung über Einweg und Mehrweg darf nicht ideologisch geprägt sein“.

Unwissen und Vorurteile überwiegen in der Wahrnehmung

Unklar ist den Deutschen der Umfrage zufolge auch der Herstellungsprozess von Getränkedosen. So wissen 78 Prozent der Deutschen nicht, dass das Recycling von Aluminium 95 Prozent weniger Energie benötigt. 64 Prozent glauben nicht, dass sich die Umweltbilanz der Getränkedose seit Einführung des Einwegpfandes im Jahr 2003 signifikant verbessert hat. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: In der Produktion von Getränkedosen wurden große Fortschritte gemacht: Heute wiegt eine 0,33 ml Aluminiumdose über 24 Prozent weniger als noch 1980. Die handelsübliche Getränkedose hat damit ein Gewicht von lediglich 12,2g und eine Wandstärke von 0,09 Millimeter, was dünner als das menschliche Haar ist. Hinzu kommt, dass europaweit die Produktion von Aluminium zu 70 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Der Anteil wird stetig ausgebaut und hilft, die CO2-Belastung zu reduzieren.

Immerhin: 80 Prozent der Befragten sagen, es sei „notwendig“, mit Hilfe einer neuen Ökobilanz die Umwelteigenschaft von Getränkeverpackungen genauer zu untersuchen. Die letzte vergleichende Ökobilanz zwischen Glas-, Metall- und Kunststoffgetränkeverpackungen des Umweltbundesamtes wurde vor über 18 Jahren durchgeführt (2002).