Faktencheck des HR-Beitrags von Stephanie Krüger

„alles wissen“ im hr-Fernsehen vom 10.12.2020

Die Getränkedose erfreut sich wachsender Beliebtheit. Aber: Wie passt eine Einweg-Getränkeverpackung aus Metall zum Anspruch einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Industrie? Ein Beitrag des Hessischen Rundfunks in der Sendung „Alles Wissen“ geht dieser Frage nach und dokumentiert vor allem „Nicht-Wissen“. Redakteurin Stephanie Krüger verzichtet darauf, Aussagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und arbeitet mit irreführenden Bildern und falschen Behauptungen. Wir haben den Beitrag vom 10.12.2020 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einem Faktencheck unterzogen:

Behauptung im HR-Beitrag: Zunehmende Marktanteile der Getränkedose sind aus Umweltsicht höchst bedenklich.

Fakt ist: Die Behauptung ist falsch. Die Getränkedose ist Teil einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Verpackungspolitik. Die Getränkedose ist mit einer Recyclingquote von 99,1 Prozent die am häufigsten der Kreislaufwirtschaft zurückgeführte Getränkeverpackung. Kein anderes Gefäß hat zudem ein so günstiges Verhältnis zwischen Inhalt und Verpackung – vom Gesamtgewicht einer Getränkedose entfallen nur 3 Prozent auf die Verpackung, aber 97 Prozent auf den Inhalt.

Zudem wurden in der Produktion von Getränkedosen große Fortschritte gemacht: Heute wiegt eine 0,33 Aluminiumdose über 24 Prozent weniger als noch 1980. Die Aluminiumindustrie hat seit 1990 rund 55-Prozent an CO2 Emissionen eingespart. Über 70% der von der europäischen Aluminiumindustrie verbrauchten Energie stammten bereits 2015 aus regenerativen Energien – Tendenz steigend. Die Umweltformel lautet daher: Mehrweg regional, Getränkedosen darüber hinaus.

Am Gesamtgetränkemarkt in Deutschland haben Getränkedosen nur einen Marktanteil von 4%. Dementsprechend ist der Anteil nicht höchst bedenklich, sondern noch zu gering.

Behauptung: Den unendlichen Recyclingkreislauf, den man suggeriert, den gibt es nicht.

Fakt ist: Aluminium kann ohne Qualitätsverlust nahezu unendlich oft recycelt werden. Tatsächlich kommen von 1000 Getränkedosen 991 zurück in den Kreislauf und werden zu neuen Produkten, wie Pfannen, Fahrräder oder Fahrzeugteilen.

Keine andere Getränkeverpackung lässt sich so oft im Kreislauf führen wie die Dose.

Behauptung: Dosen bestehen zur Hälfte aus Neumaterial.

Fakt ist: Diese Aussage ist verallgemeinert und schlecht recherchiert. Mittlerweile bietet beispielsweise der Aluminiumhersteller Hydro die Möglichkeit an, Aluminium zu kaufen, das zu 75 Prozent aus recycelten Dosen besteht. Erste Dosenhersteller nutzen das bereits, doch es gibt längst nicht genug Ausgangsmaterial. Viele Aluminiumhersteller bieten spezielles Aluminium aus recycelten Getränkedosen gar nicht an. Der Grund: Für die Umwelt ist es völlig irrelevant, ob eine recycelte Getränkedose zu einer Bratpfanne, einem Bauteil für ein E-Auto oder einer neuen Dose wird. Hauptsache, das Material kommt durch hohe Recyclingraten zurück in den Kreislauf. Und 99,1 % aller in Deutschland verkauften Getränkedosen kommen als neues Produkt zu uns zurück. Mehr als jede andere Getränkeverpackung!

Behauptung: Um an den Rohstoff Aluminium zu kommen, muss man den Rohstoff Bauxit abbauen. Für die Dose müssen deshalb Naturräume zerstört werden.

Fakt ist: Aluminium ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste und überall zu finden. Die europäische Aluminiumindustrie treibt zudem die Rekultivierung und Aufforstung genutzter Flächen voran, um den Umwelteinfluss gering zu halten.

Für recyceltes Aluminium bleibt die Natur unberührt. Zudem ist der Hauptabnehmer für neues Aluminium nicht die Getränkeindustrie, sondern die Fahrzeug- und Bauindustrie. Von 1000 Kilo produziertem Aluminium fließen in Deutschland gerade einmal 26,4 Kilo in Nahrungsmittelverpackungen aus Aluminium (z.B. Alufolie, Joghurtdeckel, etc.) und Getränkedosen – also insgesamt gerade einmal 2,64 Prozent!

Behauptung Recycling von Getränkedosen belastet die Umwelt und kostet viel Energie.

Fakt ist: Das Gegenteil ist richtig. Recyceltes Aluminium benötigt 95% weniger Energie als die Primärherstellung. Der Energieverbrauch bei recyceltem sekundärem Aluminium beträgt lediglich 0,7 kWh pro kg Aluminium. Nutzt man erneuerbare Energiequellen, sinken die mit der Herstellung verbundenen CO2 Emissionen erheblich.

Behauptung: Zur Herstellung von Aluminium ist 27 x mehr Energie erforderlich wie zur Herstellung von Glas.

Fakt ist: Eine gute Recherche hätte gezeigt, dass der Vergleich falsch und irreführend ist. Der Materiallebenszyklus endet nicht nach der Primärherstellung. Sowohl für Flaschen als auch Getränkedosen gilt: Was passiert nach dem Recycling? In der Hohlglas Produktion von Flaschen liegt der Energieaufwand bei 1,86 kWh pro kg Glas. Dem gegenüber stehen die 0,7 kWh für die Herstellung von Sekundäraluminium, welches nahezu unendlich recycelbar ist.

Zudem entwickelt die Aluminiumindustrie innovative Methoden, um die Herstellung noch umweltfreundlicher zu machen. So werden beispielsweise neue Verfahren entwickelt, in denen das Aluminium geschreddert und dann gepresst wird, wodurch auf den umweltbelastenden Schmelzvorgang komplett verzichtet wird.

Behauptung: Das Verpackungsgesetz sieht eine Mehrwegquote von 70 Prozent vor.

Fakt ist: Kein Gesetz sieht eine solche Quote vor. Richtig ist, dass der Bundestag sich selbst auferlegt hat, „auf der Basis ökobilanzieller Erkenntnisse“ weitere Maßnahmen zu prüfen, sollte die Mehrwegquote unterhalb dieser Schwelle sein. Tatsächlich hätte eine solche Quote katastrophale Auswirkungen für die Umwelt. Es drohen täglich weitere 700.000 km Fahrten von LKWs, die leeren Mehrweg-Flaschen zurück zum Abfüller transportieren. Das entspricht 18 Erdumrundungen.

Behauptung: Die Dose ist eine unökologische Verpackung und muss deshalb mit einer Strafabgabe belegt werden.

Fakt ist: Rund 45 Prozent aller Mehrwegflaschen sind heute so genannte Individualflaschen, die über weite Strecken transportiert werden müssen. Bereits 2013 fand Deloitte in einer Studie heraus, dass jede Individualflasche im Schnitt 537km transportiert wird. Seitdem ist der Anteil von individuellen Mehrwegflaschen, die deutlich längere Transportwege als Standardflaschen zurücklegen, noch deutlich gestiegen. Die DUH weigert sich jedoch, eine neue vergleichende Ökobilanz aller Getränkeverpackungen zu unterstützen, um das genauer zu untersuchen.

Behauptung: Bis die Dose beim Kunden ankommt, muss sie relativ weitere Strecken zurücklegen. Sie ist nicht regional.

Fakt ist: Richtig ist – die Transportwege von Dosen sind signifikant geringer als von Glasflaschen. Anders als die Mehrwegflasche, muss die Dose nicht zurück zum Abfüller transportiert werden, sondern nur zum nächsten Recyclinghof. Im Vergleich zeigt sich zudem, dass ein 40-Tonnen-LKW 22.464 Liter Bier in Dosen transportieren kann, aber nur 11.600 Liter in Getränkeflaschen. Da sich bei leeren Flaschen das Transportvolumen nicht ändert, muss ebenfalls ein LKW für den Rücktransport zum Einsatzkommen. Hingegen passen die gepressten Getränkedosen – bildlich gesprochen – in einen VW Touran. Die CO2 Belastung ist also deutlich geringer.

Behauptung: Es gibt nur wenige Hersteller und damit Abfüller von Getränkedosen.

Fakt ist: Hersteller und Abfüller sind nicht identisch, die Aussagen der DUH daher grob falsch. Es gibt sowohl für Getränkedosen als auch Glas wenige Herstellungsstandorte in Deutschland. Für die Getränkedose sind es 5, für Glas fehlt eine genaue Zahl. Aber für Glas und Dose gilt: Die leeren neuen Getränkeverpackungen werden von dort zu tausenden Abfüllern transportiert, der Getränke sowohl in Dosen, PET und Flaschen abfüllen.

Am Ende behauptet Stephanie Krüger in ihrem Beitrag, dass „Experten“ die Dose für die klimaschädlichste Getränkeverpackung halten. Welche Experten – außer den Fake-Experten der DUH – sagt der Beitrag nicht. Und einen Beleg für die These bleibt er vor dem Hintergrund der vielen Falsch-Behauptungen auch schuldig.

Übersicht Quellen:

https://www.aluinfo.de/recycling.html

http://www.aluinfo.de/latest-news-detail/new-life-cycle-assessment-for-aluminium-beverage-cans.html

https://www.hydro.com/Document/Index?name=Hydro%20CIRCAL%20Brosch%C3%BCre&id=409785

https://www.european-aluminium.eu/media/2713/european-aluminium-mpe-aluminium-beverage-can-2017-recycling-rate-press-release-1.pdf

https://www.metalpackagingeurope.org/sites/default/files/2020-01/20190723_Metal%20Packaging%20Europe_Alu%20Bev%20Cans%20LCA_Executive%20Summary.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/mehrweganteil-bei-getraenken-2017-weiter-gesunken-0

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28203/umfrage/verwendung-von-aluminium-nach-industriezweigen-in-2007/#professional

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020-06-24_texte_109-2020_moeve-2018.pdf

http://www.alu-menziken.com/?p=9

https://www.allesueberalu.de/Getraenkedosen-aus-Aluminium.html

https://european-aluminium.eu/resource-hub/environmental-profile-report-2018/

https://docplayer.org/43097963-Umlaufzahlen-und-transportentfernungen-in-der-getraenkeindustrie.html

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-09-09_texte_106-2019_einweggetraenkeverpackungen-2017.pdf

https://www.hydro.com/de-DE/aluminium/products/walzprodukte/dosen/

https://www.hydro.com/de-DE/aluminium/products/bauxit-und-aluminiumoxid/

https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/alles-wissen/sendungen/das-comeback-der-getraenkedose-wie-umweltfreundlich-ist-sie,video-138994.html